Offizielle Eröffnung der Mutter-Kind-Klinik in Keren

Datum: 21.12.2022

Nach mehr als 13 Jahren Planungs- und Bauzeit, nach einigen Hürden und Verzögerungen u...

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Nachruf Dr. Marcus Riccabona

Datum: 20.12.2022

Am 25. November 2022 ist der ärztliche Leiter unseres kinderurologischen Projekts Dr. M...

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Erneut Hilfslieferungen nach Kabul

Datum: 17.10.2022

Endlich können wir wieder neue Hilfslieferungen in die Indira-Gandhi-Kinderklinik in ...

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Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ist Teil der medizinischen Grundversorgung und mit der neuen Klinik in Asmara seit 2019 ein Projekt im Spektrum von ARCHEMED.

2018 konnten wir die neue HNO-Klinik in Asmara, die einzige ihrer Art in Eritrea, feierlich eröffnen. Sie ist mit modernsten diagnostischen Geräten und einem OP-Zentrum ausgestattet, so dass der Bevölkerung die gesamte Breite der zeitgemässen HNO-ärztlichen Versorgung zur Verfügung steht 

Die Klinik wird geleitet von Dr. Simon Haile und Dr. Alem Teclu, zwei erfahrenen eritreischen Ärzt*innen, die an renommierten Kliniken in Europa, unter anderem an den Universitätskliniken Genf und Tübingen und am Katharinenhospital Stuttgart, eine fundierte Ausbildung in der HNO-Heilkunde erhalten haben und die meisten gängigen Operationen des Faches beherrschen. Zudem werden derzeit auch drei junge eritreische Ärzte ausgebildet, die sich für die HNO-Heilkunde interessieren.

Das Spektrum der Erkrankungen, die wir bei Kindern in Eritrea sehen, unterscheidet sich von dem der Kinder in Europa. So sehen wir häufiger Fehlbildungen wie mediane und laterale Halsfisteln und -zysten oder Choanalatresien (Verschluss des hinteren Nasenausganges), aber auch unspezifische und spezifische Entzündungen, die erst in einem späteren und damit ernsteren Stadium der Erkrankung in die Klinik kommen, als dies bei uns der Fall ist.

Beispiele hierfür sind abszedierende Entzündungen der Tränenwege oder die akute Mittelohrentzündung, die bei uns nach rascher Diagnosestellung und entsprechender, gegebenenfalls antibiotischer Behandlung, meist innerhalb weniger Tage abheilt. 

In Eritrea sehen wir häufig Kinder mit einer Mastoiditis als Komplikation der akuten Mittelohrentzündung, da bei fehlender Behandlung die Eiterung aus dem Mittelohr in den angrenzenden Knochen durchbricht. Die dann sofort notwendige, bei uns eher selten erforderliche Operation (Mastoidektomie), ist für Dr. Alem Routine. Nicht wenige Kinder sterben jedoch, bevor sie einen Arzt erreichen. 

Zur operativen Behandlung von Tumoren oder Stenosen der oberen Luft- und Speisewege, Entzündungen der Nasennebenhöhlen, entstellenden Defekten oder Fehlbildungen im Gesicht, die von den einheimischen Ärzten nicht versorgt werden können, entsenden wir mehrmals jährlich Teams von Ärzt*innen und Schwestern, die in einem meist ein- bis zweiwöchigen Aufenthalt die Patienten operieren, die von den eritreischen Kolleg*innen dafür gelistet wurden. Die Zahl der Patienten, die auf eine Operation wartet, ist weit größer als die, die wir bewältigen können, und so stellt die notwendige Auswahl der Kinder (Triage) immer eine Belastung für uns dar, ebenso wie das Gefühl bei der Abreise, nicht alles erledigt zu haben und in manchen Fällen nicht helfen zu können.

Zum Glück bekommen wir so viel Freude bei unseren eritreischen Kollegen und so viel unausgesprochene Dankbarkeit der kleinen Patienten und deren Eltern zu spüren, dass wir die Strapazen, die immer mit den Einsätzen verbunden sind, gar nicht bemerken.

Weitere Informationen zur Projektgeschichte finden Sie hier

Projektleitung: Prof. Dr. Markus Jungehülsing, Potsdam

                       Dr. Ulrich Markmiller, Aschaffenburg


Medizinisch humanitäre Hilfe
für Kinder in Not

Seit Vereinsgründung 2010 engagiert sich ARCHEMED in dem kleinen Land am Roten Meer. Eritrea gehört seit 1994 zu den sog. Least Developed Countries (LDC), ein von den Vereinten Nationen definierter sozialökonomischer Status, der die 48 am wenigsten entwickelten Länder beschreibt („Vierte Welt“).

Nach 30 Jahren Befreiungskrieg von Äthiopien ist das Land innerlich ausgeblutet. Ein weiterer Krieg mit Äthiopien 1998-2000 und eine mehrjährige Dürrekatastrophe danach haben dem Land erneut sehr geschadet. Es herrscht Mangel an materiellen und humanen Ressourcen. Mangel kennzeichnet auch das eritreische Gesundheitswesen: Es gibt zu wenig Ärzte (< 1 Arzt pro 10.000 Einwohner), Schwestern und Hebammen. Frühgeborene und erkrankte Neugeborene hatten früher kaum eine Überlebenschance.

Vor unserem Einsatz gab es keine medizinische Versorgung für Frühgeborene und kranke Säuglinge und keine Kinderchirurgie. Kinder mit angeborenen Herzfehlern starben unerkannt und unbehandelt. Allerdings: Impfprogramme, Verbot der genitalen Beschneidung von Mädchen, Bekämpfung der HIV-Infektionen und nicht zuletzt die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit im Sinne der Millenniumsziele der Vereinten Nationen sind in Eritrea erfolgreich und vorbildlich für ganz Afrika.