ARCHEMED als Partner von Signavio

Datum: 27.11.2019

Die Firma Signavio GmbH aus Berlin unterstützt sehr erfolgreich Unternehmen, ihre Proze...

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ARCHEMED-Pädiatrietreffen in Frankfurt

Datum: 26.09.2019

Am 3. Wochenende im September fand unser alljährliches ARCHEMED-Pädiatrietreffen in F...

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FGM-Projekt in chrismon

Datum: 25.09.2019

In der letzten chrismon erschien ein bemerkenswerter Artikel über unser FGM-Projekt in ...

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2015 starteten wir unser erstes Projekt „Strengthen the position of women in Eritrea - fight against female genital mutilation“ gegen die weibliche Genitalverstümmelung, finanziert über das EIDHR-Programm (European Instrument for Democracy and Human Rights) der Europäischen Union. Bei der genitalen Verstümmelung handelt es sich um schwerwiegende, äußerst gewalttätige Eingriffe in den Körper eines Kindes, die schwerste physische und psychische Schäden hinterlassen. FGM zählt zu den systematischsten und
 am weitesten verbreiteten Misshandlungen und Kinderrechtsverletzungen. Viele internationale Organisationen stufen die Beschneidung als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit ein.

Nach erfolgreichem Abschluss dieses 2-jährigen Projektes in der Region Gash Barka in Eritrea haben wir das Thema weiterverfolgt und ein neues Projektgebiet identifiziert. Insbesondere in den ländlichen Gebieten Eritreas wird noch immer in hoher Zahl beschnitten, obwohl seit April 2007 die Beschneidung weiblicher Genitalien verboten ist. In der Gemeinde Dorok, zu der 10 Dörfer gehören, ca. 10 km von der Hauptstadt der Provinz Anseba entfernt, setzen wir aus diesem Grund unsere Arbeit fort. In dieser Gemeinde sind wir bereits seit vielen Jahren aktiv und unterstützen dort auch die Sanierung der Grundschule.

Um dem Problem der Beschneidung wirklich beizukommen, muss die Bevölkerung außerhalb der Städte überzeugt werden, also der überwiegende Teil der fast fünf Millionen Eritreer. Wir vermitteln den eritreischen Frauen und Männern vor Ort ein Bewusstsein für die gesundheitlichen und sozialen Risiken und Folgen von FGM. Ziel ist es, im Rahmen der Aufklärungsarbeit Vorkommen und Verbreitung der Genitalverstümmlung zu reduzieren und damit akute Komplikationen sowie langfristige Folgen für die Frauen und deren Familien zu vermeiden. Kenntnisse über die Gesetzeslage stärken die eritreischen Frauen in ihrem Recht und fördern die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Dazu baut unsere eritreische Projektkoordinatorin Worku Zerai in den jeweiligen Gemeinden eine lokale Projektgruppe auf, die sich aus Vertretern aller gesellschaftlichen Gruppen einschließlich der religiösen Führer der Kommunen zusammensetzt. Diese Gruppen werden zunächst geschult und fungieren dann als Multiplikatoren. Darüber hinaus werden alle Frauen und Männer der Dörfer durch den Film „Behind the curtains of agony“ in besonderem Maße sensibilisiert, da in diesem Film tatsächliche Beschneidungen von Mädchen gezeigt werden. Dieser Film erzeugt nach unserer Erfahrung eine tiefe Betroffenheit bei Frauen und insbesondere Männern, da diese erstmals mit der Brutalität einer Beschneidung konfrontiert werden. Bisher war für die Väter und Ehemänner die Beschneidung ihrer Töchter und Frauen ein Tabuthema. Wir erfahren aus den dann anschließenden Schulungen, dass ein Nach- und Umdenken Platz greift. Darüber hinaus liegt unser besonderes Augenmerk in der Sensibilisierung der künftigen Elterngeneration.

Teil unserer umfassenden Aufklärungsarbeit ist auch die Einbeziehung der traditionellen Beschneiderinnen, für die diese Arbeit Einkommenserwerb darstellt. Neben der Aufklärung und Schulung der Beschneiderinnen ist es uns ein Anliegen, ihnen eine alternative Erwerbsmöglichkeit zu eröffnen. Aufgrund der ländlichen Lebensumstände sind diese Möglichkeiten sehr limitiert. Eine gute Option ist es, ihnen Ziegen aus Spendengeldern zu schenken, um ihnen damit durch den Verkauf der Zicklein oder der Milch eine neue Einkommensquelle zu bieten. So können wir stellvertretend für alle Beschneiderinnen von Nesrit Gheber Rebi erzählen, die Hunderte von Mädchen beschnitten hat, wie viele genau, weiß sie gar nicht: Sie nennt es „to beautify" - verschönern. Im eritreischen Dorf Humeray, ein Dorf der Gemeinde Dorok, war sie die einzige Beschneiderin. Alle brachten ihre Töchter irgendwann zu ihr, meist mit vier oder fünf Jahren. Weil es Tradition ist. Weil natürlich gewachsene Schamlippen und Klitoris als unrein gelten, als unhygienisch, hässlich oder gefährlich - und als Hindernis, einen Ehemann zu finden und damit wirtschaftlich versorgt zu sein. Einmal sei eine unbeschnittene 28-Jährige gekommen: „Sie fürchtete, dass ihr Mann sie nach der Hochzeitsnacht wegschickt. Ich beschnitt sie, damit sie voller Selbstvertrauen in die Ehe gehen konnte.“ (chrismon 08.2019, S. 44)

Im November 2019 fliegen wir wieder nach Eritrea und werden in der Gemeinde Dorok unser Projekt mit dem Kauf der Ziegen für die Beschneiderinnen abschließen und gleichzeitig in der benachbarten Gemeinde Halibmentel mit einem neuen Projekt starten.

Wir danken ganz besonders dem Verein Kinderhilfe Eritrea e. V., der unser FGM-Projekt in Dorok nicht nur finanziell unterstützt hat, sondern auch bei gemeinsamen Besuchen vor Ort wertvollen Input gegeben hat.

Es ist nicht möglich, an dieser Stelle alle weiteren Spender zu nennen, besonders hervorheben möchten wir dennoch die regelmäßigen Zuwendungen der Gertrud Maschke Stiftung, Berlin.

Projektleitung: Anne Rieden und Antje Thomas

Unser Filmemacher Kai Gebel hat einen eindrucksvollen Film über unser Projekt erstellt.


Medizinisch humanitäre Hilfe
für Kinder in Not

Seit Vereinsgründung 2010 engagiert sich ARCHEMED in dem kleinen Land am Roten Meer. Eritrea gehört seit 1994 zu den sog. Least Developed Countries (LDC), ein von den Vereinten Nationen definierter sozialökonomischer Status, der die 48 am wenigsten entwickelten Länder beschreibt („Vierte Welt“).

Nach 30 Jahren Befreiungskrieg von Äthiopien ist das Land innerlich ausgeblutet. Ein weiterer Krieg mit Äthiopien 1998-2000 und eine mehrjährige Dürrekatastrophe danach haben dem Land erneut sehr geschadet. Es herrscht Mangel an materiellen und humanen Ressourcen. Mangel kennzeichnet auch das eritreische Gesundheitswesen: Es gibt zu wenig Ärzte (< 1 Arzt pro 10.000 Einwohner), Schwestern und Hebammen. Frühgeborene und erkrankte Neugeborene hatten früher kaum eine Überlebenschance.

Vor unserem Einsatz gab es keine medizinische Versorgung für Frühgeborene und kranke Säuglinge und keine Kinderchirurgie. Kinder mit angeborenen Herzfehlern starben unerkannt und unbehandelt. Allerdings: Impfprogramme, Verbot der genitalen Beschneidung von Mädchen, Bekämpfung der HIV-Infektionen und nicht zuletzt die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit im Sinne der Millenniumsziele der Vereinten Nationen sind in Eritrea erfolgreich und vorbildlich für ganz Afrika.